“‘Mmmhhhhh….”
Rasmus verzog keine Miene, als sein verstoßener Sohn als Bittsteller zu ihm kam.
Die Urkunde, welche Al als neuen Besitzer des Rosalinde ausgab, sah authentisch aus und passte zu den Berichten, welche ihn aus dem Hafenviertel erreichten. Nun wollte sein Jüngster doch noch Unterstützung von der Familie haben, die er einst so kalt verlassen hatte.
Was würde für die Familie dabei rausspringen? Ein Anteil am Gewinn konnte nicht viel ausmachen. Bei dem, was ihm Al über die Pläne seiner Gefährten geschildert hat - Blumenhandel, Dampfbad, Spielkneipe - wird finanziell so gut wie nichts rausspringen.
Aber der gesellschaftliche Aspekt gefiel Rasmus. Beim Binden von Blumen, im heißen Zuber oder beim gemeinschaftlichen Spiel werden viele Geschichten ausgetauscht. Ein paar Augen und Ohren mehr im Hafenviertel konnten absolut nicht schaden. Und schließlich stand in der Urkunde der Name seiner Familie, da möchte Rasmus nicht alles dem Zufall - oder Al - überlassen.
“In Ordnung. Ich entlasse Maru aus meinen Diensten, damit sie sich dir anschließen kann. Mit Kira musst du selbst reden. Aber du kannst ihr mitteilen, dass sie mein Einverständnis hat, falls sie gehen möchte.”
Erleichtert ging Al zurück in den Schankraum. Am Tresen standen seine drei Brüder alle mit einem Glas und einem Geschirrtuch in der Hand und mit sehr neugierigen Blicken.
“Na, Kurzer, bis wohin kannst du heute noch zählen?”
“Eure drei Nasen kann ich immer noch an einer Hand abzählen.”
Herzliches Gelächter füllte den Raum und Ulv schlug ihm beim Verlassen des Fass ohne Boden brüderlich auf die Schulter. Al fühlte, wie er durch diesen Schlag innerlich einen ganzen Kopf größer wurde. Seine Brüder hatten ihm auf ihre Art und Weise Respekt erwiesen, die er bis jetzt nie so wahrgenommen hatte.
Vor der Tür erwartete ihn die, auf ihre Art faszinierend schöne, Viertel-Orkin Maru-Sark.
“Ich sehe, es ist alles noch dran - ist es also gut gelaufen?”
“Ja, und ich habe schon wieder einen neuen Job für dich. Du rekrútierst unter den Haudegen auf dem Platz einen Ersatz für dich und dann erwarten wir dich in drei Tagen im Rosalinde im Hafenviertel - dort wird alles weitere geklärt. Offiziell wirst du hier entlassen. Aber so wie ich meinen alten Herrn kenne, wird es inoffiziell noch andere Absprachen geben. Solange du loyal bist und es verkraftest, wenn wir dich nicht in alles einweihen, sollte das auch klar gehen.”
“Aje, aber wehe, es wird langweilig - dann könnte ich dich wieder verlassen.”
“Wir bemühen uns.” meinte Al zum Abschied. Eine Wache, die im und um das Rosalinde für Ordnung sorgt, hätten sie somit. Fehlt nur noch jemand für das leibliche Wohl. aber da konnte Al wahrscheinlich zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.
Gut gelaunt betrat er die Brauerei “Jungfernblut” …